Supermarkt
Es regnet.
Mama Tabea und Selina steigen aus dem Bus.
Selina ist 7.
Der Schirm hält schief.
Die Schuhe sind nass.
Sie gehen schnell über den Parkplatz.
Es ist halb sieben.
Mama Tabea nimmt die Liste heraus.
Packt einen roten Korb und sie geht los.
Selina bleibt vor den Cornflakes mit dem Tiger stehen.
Mama Tabea sagt:
„Nein.“
Sie gehen weiter.
Eine Frau mit hübsch frisiertem Haar schiebt einen vollen Wagen vorbei.
Die Sachen darin liegen ordentlich.
Mama Tabeas Jacke hat abgewetzte Ellbogen.
Mama Tabea vergleicht Preise.
Sie nimmt Packungen in die Hand.
Dreht sie um.
Sucht nach orangen Klebern.
Mama Tabea legt Brot zurück.
Nimmt ein anderes.
Mama Tabea nimmt eine Packung Spaghetti.
Hält sie kurz.
Nimmt sie mit.
Am Ende des Gangs steht eine Box.
Daneben ein Plakat: Eine Woche Berghotel zu gewinnen.
Mama Tabea nimmt eine Karte.
Sie füllt sie aus.
Selina wirft sie ein.
Sie träumen.
Sie lachen.
An der Kasse kaut Mama Tabea an den Fingernägeln.
Es reicht.
„Heute Abend darfst du eine gut gefüllte Badewanne rocken.“
Selina reißt den Arm hoch.
„Yeahii.“
Sie gehen hinaus.
Die Straße glänzt.
Florian kommt ihnen entgegen.
Er trägt seine Tennistasche.
„Tschau Selina.“
„Tschau.“
Am Rand des Gehwegs liegen Kastanien.
Selina bückt sich.
Sie sammelt drei Stück ein.
Damit kann man Figuren machen.
Sie steckt sie in die Jackentasche.
Im Bus sieht Selina eine Anzeige.
Europapark.
Neuer Direktzug.
Selina sagt:
„Vielleicht kann Papa mal mit mir hin.“
Mama Tabea nickt nur.
Zu Hause riecht die Wohnung feucht.
Die Schuhe stehen im Flur.
Selina geht in ihr Zimmer.
Die Luft ist schwer.
Sie hustet.
Bis zum Umzug schläft sie im Bett von Mama Tabea.
Mama Tabea ruft von der Küche:
„Morgen hat der Laden offen.
Wir gucken, ob es Regenstiefel hat.
Und dann gehen wir im Anschluss zum Essen in die Kirche!“
Es wird gekocht, gegessen und aufgeräumt.
Bevor Mama Tabea abends zur Ruhe kommt, zieht sie ihre Jacke an.
Sie geht putzen.
Mal in einer Zahnarztpraxis, mal in einer Schreinerei.
„Ich schließe jetzt.
Schlaf, bevor ich zurück bin.
Der Schlüssel liegt auf der Kommode.
Nur benutzen, wenn es brennt.
Niemandem öffnen.“
Die Tür fällt ins Schloss.
Selina setzt sich aufs Bett ihrer Mutter.
Sie macht ihr Tablet an.
Sie schaut Heidi.
Die Wohnung ist still.
Der Kühlschrank brummt.
Zwischendurch Schule.
Abendessen.
Schlafen.
Im Briefkasten liegt Post vom Supermarkt.
Sie haben gewonnen.
Kein Jubel.
Mama Tabea rechnet.
Sie packt das Nötigste.
Während der Zugfahrt ziehen die Herbstbäume an ihnen vorbei.
«Die Vögel sind bereits weggeflogen.» meint Mama Tabea.
Sie spielen UNO.
Das Berghotel hat Holzbalkone und Teppichboden.
Die Besitzer begrüßen sie.
Sie legen die Zimmerschlüssel auf den Tresen.
Selina hilft am liebsten im Kräutergarten.
Sie reibt Blätter zwischen den Fingern.
Der Duft bleibt daran.
Mama Tabea sitzt im Spa.
Oder draußen.
Oder am Fenster.
Sie tut wenig.
Am Abend liest Mama Tabea vor.
Sie kennt das Buch gut.
Sie liest es für sich und für Selina.
Die Brüder Löwenherz.
Auf der Rückfahrt stehen die Herbstbäume noch.
Sie spielen UNO.
Die Wohnung riecht wie vorher.
Das Zimmer ist noch feucht.
Die Tasche steht neben der Kommode.
Selina hängt ihre Jacke darüber.
Abends bleibt die Wohnung dunkel.
Mama Tabea sucht nach Kerzen.
Ihre Schultern sind wieder angespannt wie immer.
„Morgen regle ich das.“
Im Frühling ist das Thema in der Schule Wild- und Heilpflanzen.
Selina kennt viele davon schon.
Sie schneidet als Klassenbeste ab.
Text © Madeleine von Fischer